Die sieben eisernen Regeln des User-Interface-Design

Sind Sie Web-Designer? Falls ja, sind Sie damit auch User-Interface-Designer – und bald schon wird diese Rolle immer wichtiger für Sie werden. Während Webseiten heutzutage recht einfache User-Interfaces haben, die aus kaum mehr als einer Navigation und einem Kontaktformular bestehen, wird die Weiterentwicklung neuer Technologien und Standards das Bedürfnis nach dynamischeren und benutzerdefinierten Erfahrungen wecken. Das bedeutet zwangsläufig auch, dass Sie mehr Arbeit mit User-Interfaces haben werden. Lassen Sie uns also jetzt herausfinden, welche sieben Regeln Sie im Hinterkopf behalten sollten.

 

1. Regel der Klarheit

Der Nutzer wird Interface-Elemente ohne klare Bedeutung nicht verwenden.

Nutzen Sie Gmail? Vor dem jüngsten Update hatte Gmail eine sehr klare Text-Navigation am Beginn der Seite – Kalender, Drive, Seiten und andere Google-Services waren nur einen Klick entfernt. Dann entschied sich Google, die Navigation zu “vereinfachen” und alles hinter einem abstrakten Icon zu verstecken [auf welches man klicken muss, um die Services anzeigen zu lassen, Anm. d. Red.]. Das Ergebnis? Die meisten Nutzer bemerkten die anderen Google-Services gar nicht erst und Gmail wurde von einer Welle an Support-Anfragen überschwemmt.

Nutzer vermeiden (und ignorieren) häufig Dinge, die sie nicht verstehen – das ist Teil der menschlichen Natur. Vermeiden Sie es, Interface-Elemente zu kreieren, bei denen nicht sofort klar wird, welche Funktion sich dahinter verbirgt – denn niemand wird sich die Zeit nehmen, dies herauszufinden.

User Interface Design-klare Struktur der Elemente

 

2. Regel der bevorzugten Handlung

Nutzer werden sich sicherer fühlen, wenn sie verstehen, was als bevorzugte Handlung gedacht ist.

Sehen Sie sich einmal diesen unten stehenden Screenshot von Twitter an. Denken Sie, dass neue Nutzer verstehen, was sie tun sollen?

Offensichtlich sollen die Nutzer etwas twittern. Dennoch ist der Text “Verfasse einen neuen Tweet” [in der englischen Version: “Compose New Tweet”, Anm. d. Red.] im Eingabefeld nicht besonders klar (siehe erste Regel) und fügt sich optisch sehr unauffällig in das Gesamtbild ein. Aus Design-Sicht scheint es, als wollte Twitter seine Nutzer entweder dazu bringen, das Suchfeld zu verwenden, oder eine der Optionen aus der links angeordneten Top Navigation zu wählen, da diese beiden Interface-Elemente am auffälligsten sind.

Nutzer sollten sich nie fragen müssen, was sie nun tun sollen – die bevorzugte Handlung sollte offensichtlich sein.

User Interface Design-Twitter

 

3. Regel des Kontexts

Nutzer erwarten, dass Kontrollelemente [z.B. Share-Buttons, Anm. d. Red.] des Interfaces nah an den zu kontrollierenden Elementen stehen.

Wie ändern Sie Ihren Namen in Facebook? Sie gehen auf das Rädchen-Symbol für “Einstellungen” rechts oben in der Ecke, im sich öffnenden Menü auf das Wort “Einstellungen” und klicken dann auf “Bearbeiten” neben Ihrem Namen. Wie ändern Sie hingegen Ihren Namen bei LinkedIn? Sie klicken auf das Bleistift-Symbol direkt neben Ihrem Namen.

Nutzer erwarten immer, dass Kontrollelemente des Interfaces im Kontext der Elemente stehen, die sie kontrollieren möchten. Diese Erwartung korrespondiert mit denen im realen Leben: Wenn Sie Popcorn machen möchten, legen Sie den Beutel in die Mikrowelle und schalten diese am “Ein”-Schalter direkt neben der Tür an. Es wäre unpraktisch, müssten Sie zunächst in den Keller gehen und im Sicherungskasten den Schalter mit der Nummer G-35 umschalten, um die Mikrowelle zu starten. Hier gibt es deutliche Parallelen zum Beispiel mit Facebooks Prozess zur Namensänderung.

Sie sollten es den Nutzern immer einfach machen – wenn ein Element geändert oder anderweitig kontrolliert werden kann, setzen Sie die entsprechenden Kontrollelemente direkt daneben.

User Interface Design-LinkedIn

 

4. Regel der Voreinstellungen

Nutzer verändern selten die Voreinstellungen.

Sind Sie vertraut mit dem Klingelton aus dem unten befindlichen Video? Vermutlich schon, denn dies war einmal der gängiste Klingelton der Welt. Warum? Weil es der voreingestellte Klingelton bei Nokia-Handys war und die meisten Nutzer diesen nie änderten.

Voreinstellungen sind nützlich:

  • Die meisten Nutzer haben noch immer den voreingestellten Klingelton und Hintergrund auf ihren Handys.

  • Die meisten Nutzer (Sie wahrscheinlich eingeschlossen) ändern nie die Voreinstellungen an ihren Fernsehern.

  • Die meisten Nutzer ändern nie die voreingestellte Temperatur ihres Kühlschrankes.

Wir bemerken Voreinstellungen meist nicht, doch sie wirken stark auf unsere Welt ein. Vergewissern Sie sich daher, dass alle Voreinstellungen so praktisch wie möglich sind – es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Nutzer sie niemals ändern werden.

 

5. Regel der geleiteten Handlungen

Nutzer werden eine Handlung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausführen, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Es macht einen großen Unterschied, ob Sie von den Nutzern Ihrer Seite erwarten, dass diese etwas tun, oder ob Sie sie spezifisch dazu auffordern.

Ein Beispiel: Als LinkedIn seine “Endorse”-Funktion einführte, erwarteten sie nicht von ihren Nutzern, selbst darauf zu kommen, wie sie die Funktion anwenden sollten. Stattdessen erstellten sie sehr gut sichtbare Call-to-Action-Banner, die direkt über den Profilseiten erschienen. Dies in Verbindung mit der Tatsache, dass Nutzer gern ihre Bestätigung zu etwas abgeben machte die Funktion zu einem riesigen Erfolg.

Die Lehre daraus: Wollen Sie, dass Nutzer etwas bestimmtes tun, fragen Sie sie, ohne zu zögern.

User Interface Design geleitete Handlungen

 

6. Feedback-Regel

Nutzer werden sich sicherer fühlen, wenn Sie ihnen konstant klares Feedback anbieten.

Diese Logik ist einfach: Je deutlicher Ihre Nutzer spüren, dass Ihr Interface eine Handlung kommuniziert, desto sicherer werden sie damit umgehen.

Gmail ist ein großartiges Beispiel für gutes Feedback. Für jede Handlung, die Sie tätigen, erhalten Sie dort eine klare Benachrichtigung inklusive Links zu den Seiten “Erfahren Sie mehr” und “Rückgängig machen”. So haben die Nutzer die Kontrolle über ihre Handlungen und fühlen sich beim weiteren Umgang mit dem Produkt sicherer.

User Interface Design-Feedback

 

7. Regel der Vereinfachung

Nutzer werden eher dazu geneigt sein, eine komplexe Handlung auszuführen, wenn diese in kleinere Schritte aufgeteilt ist.

Vergleichen Sie die beiden unten stehenden Formulare mit einander. Beide haben die gleiche Anzahl an Feldern, doch das rechte Formular ist wesentlich einfacher zu bedienen.

Wir alle hassen es, lange und komplizierte Formulare auszufüllen, weil sie langweilig, erschlagend und schwer zu überblicken sind. Doch sobald Sie das Formular in mehrere Schritte aufteilen und einen Fortschrittsbalken anzeigen, werden die Dinge plötzlich wesentlich klarer. Dies ist die Regel der Vereinfachung: Nutzer vollenden lieber zehn kleine Aufgabe als eine riesige. Kleine Aufgaben sind nicht einschüchternd und geben uns das Gefühl, dem Ziel einen Schritt näher gekommen zu sein.

User Interface Design-Vereinfachung

 

Regeln oder Richtlinien?

Es gibt einen Grund dafür, dass diese sieben Regeln eben “Regeln” und nicht “Richtlinien” heißen: Ich habe noch keinen Fall beobachten können, bei dem das Brechen einer dieser Regeln ein besseres Ergebnis hervorgebracht hätte als seine Befolgung. Es gibt eine Bestrafung für den Bruch dieser Regeln, nämlich missmutige Nutzer, die sich über Ihr schlechtes User-Interface beschweren werden! Scherz beiseite, User-Interface-Design ist ein sensibles und sehr verantwortungsvolles Aufgabengebiet. Die obigen Regeln werden Ihnen helfen, diese Aufgaben besser umsetzen zu können – und falls Sie sich entscheiden, sie zu missachten, sollten Sie sicherstellen, dass Sie einen sehr guten Grund dafür haben.

Übersetzt aus dem Englischen. Original



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