Björn Tantau über AuthorShip und AuthorRank: Die Rankingfaktoren der Zukunft?

Björn TantauMitte 2011 launchte Google sein eigenes soziales Netzwerk. Mit Google+ gelang endlich ein ernstzunehmender Versuch, sich im Social Media Bereich dauerhaft zu etablieren. Der Erfolg gibt Google bisher recht: Zwar ist Google+ im Vergleich zu Facebook reichweitentechnisch eher noch zu belächeln. Mit Twitter kann es aber schon konkurrieren und glaubt man aktuellen Zahlen, dann ist Google+ bereits das zweitgrößte soziale Netzwerk nach Facebook.

Allerdings ist Google+ nur auf den ersten Blick ein soziales Netzwerk - es steckt viel mehr dahinter. Google will mit seinem neuen Konstrukt dafür sorgen, dass es in Zukunft von klassischen Rankingfaktoren mit Backlinks weniger abhängig ist. Aber wie soll das funktionieren? Lässt sich ein hauptsächlich auf Links basierender Algorithmus wirklich umkrempeln?

Algorithmus mit Alterserscheinungen

Die Antwort auf diese Frage muss eindeutig mit "Ja” beantwortet werden. Wie so oft im Leben, schließt sich dem jedoch ein “aber" an. Denn natürlich kann Google nicht einfach so den Schalter umlegen und den guten alten Backlink einstampfen.

Folge eines solchen Abenteuers wären von heute auf morgen komplett andere Suchmaschinenergebnisse, die bei vielen Usern wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen würden. Das kann Google nicht recht sein, schließlich will man den Nutzerinnen und Nutzern ja Werbung verkaufen. 90% der Einnahmen von Google basieren auf AdWords. Hier einen kritischen Fehler zu machen könnte Google das Genick brechen.

Ein schleichender "Switch" ist jedoch auf jeden Fall möglich und mit Google+ hat Google genau dafür jetzt das richtige Werkzeug. Mittlerweile haben vermutlich die meisten schon die neuen "Rich Snippets" gesehen, die das Bild eines Autoren einblenden. Solche Darstellungen bekommt man nur, wenn man bei Google+ einen Account hat.

Ganz genau wissen, wer was gemacht hat

Google teilen wir so mit, wer welchen Content geschrieben hat, oder zumindest, wer für welchen Content seinen Namen hergibt. In diesem Zusammenhang kommt der AuthorRank ins Spiel. Google's AuthorShip sorgt dafür, dass bestimmte Personen als Urheber eines Content eindeutig identifiziert werden. Daran anschließend folgt, wie könnte es bei Google anders sein, eine Formel, die das als handfesten Wert ausdrückt.

Anders als beim PageRank hat der AuthorRank (noch) keine feste Anzeige. Ähnlich wie der TrustRank ist aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der AuthorRank bei Google im digitalen Hinterstübchen Einfluss hat auf das Ranking. Das muss aktuell noch nicht viel sein, der Einfluss jedoch steigt - und das hat einen leicht nachvollziehbaren Grund.

Google will wissen, wer im Internet die besten Inhalte erzeugt. Google will nicht wissen, wer im Internet die meisten Links bekommt. Das weiß Google schon und es ist den Herrschaften in Mountain View bestens bekannt, dass die Sache mit den Links höchst manipulativ ist. Auch einen AuthorRank kann man natürlich manipulieren. Es ist aber leichter, einen Link zu manipulieren als ein komplettes Autorenprofil - rein technisch.

Manipulation verfälscht das Ergebnis

Schauen wir in die Zukunft: Google hat einen AuthorRank und kann bestimmten, welche Personen im Internet die qualitativ hochwertigsten Inhalte erzeugen. Mit Google+ kann Google klassische Rankingfaktoren (wie den Backlink) abgleichen und so gewichten, ob der Content wirklich gut ist oder ob er nur nach oben gezählt werden soll - also ob er manipuliert wird.

Exzellenter Content wird auch in sozialen Netzwerken gut laufen und sich entsprechend verbreiten. Mit Google+ hat Google ein eigenes Netzwerk, das zur Bestimmung der Viralität bestens geeignet ist, denn: bekommt ein Inhalt tonnenweise Backlinks, wird aber auf der anderen Seite weder geteilt noch mit +1 ausgezeichnet, dann ist das auf jeden Fall verdächtig.

Und Google+ ist aus einem weiteren Grund wichtig, sowohl für Einzelpersonen als auch für Unternehmen. Nur ein interessantes und gut vernetztes weil beliebtes Google+ Profil erzeugt "Social Trust" und bestätigt somit klassische Rankingfaktoren wir den Backlink oder OnPage Elemente.

AuthorRank meets Google+ meets SERPs

Google+ und der AuthorRank sind in ihrer Personalunion also zwei unglaublich praktische Werkzeuge, damit Google das herausfinden kann, worum es Google immer schon ging: Wer erzeugt die besten Inhalte im Internet? Diese Frage ist für Google kritisch, weil man nur so den Kunden (also den Nutzer der eigenen Suche) zufrieden stellen kann.

In Zukunft hat Google also mehr Daten, um Inhalte im Ranking zu sortieren. Der Backlink als Rankingfaktor wird ganz sicher nicht aussterben und Google wird auch nicht ausschließlich auf "soziale Signale" setzen. Die Kombination aus beiden Elementen allerdings wird Google die Möglichkeiten eröffnen, tatsächlich "relevantere" Ergebnisse zu präsentieren.

Künftige Ergebnisse werden sich noch mehr unterscheiden und von Person zu Person variieren. Das ist auch sinnvoll und nachvollziehbar, schließlich gibt es Dinge, die eben nicht für alle interessant sind. Die Einflüsse des sozialen Internets müssen in den Algorithmus von Google eingebunden werden - AuthorShip und AuthorRank in Verbindung mit Google+ sind wirkungsvolle Faktoren, die Google fit für die kommenden Jahre machen werden.

Über den Autor

Björn Tantau ist seit Ende der 1990er Jahre im Online Marketing aktiv. Seit 2012 ist er Head of Social Media bei TRG - The Reach Group GmbH in Hamburg, wo er als Senior Consultant auch im Bereich SEO arbeitet. Im letzten Jahr wurde sein Buch über Google+ im mitp Verlag veröffentlicht. Björn Tantau ist als Speaker auf Events, Messen und Branchenveranstaltungen aktiv und stand bereits der Tagesschau, dem ZDF und RTL2 für TV Interviews zu Online Marketing Themen zur Verfügung. Auf seiner Website bloggt er regelmäßig.


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